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Thema des Monats

Kopfschmerz

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Kopfschmerz – das Schraubstockgefühl

Ein Überblick über die häufigsten Kopfschmerzarten, ihre Ursachen und Auslöser

Der Schädel brummt. Die Schläfen pochen. Das Hämmern unter der Schädeldecke ist kaum auszuhalten. Wenn von Kopfschmerzen die Rede, redet man meist von Spannungskopfschmerzen oder Migräne – denn sie sind mit Abstand am häufigsten.

Mehr als 200 Arten

Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz. Man unterscheidet weit mehr als 200 Arten. Bei manchen Menschen ist der Kopfschmerz kein Symptom für eine andere Erkrankung, der Kopfschmerz ist die Erkrankung selbst. Zu diesen sogenannten primären Kopfschmerzen gehören Migräne, Cluster- und Spannungskopfschmerz.

Die häufigste Kopfschmerzform ist der Spannungskopfschmerz. Mehr als die Hälfte aller Kopfschmerzen ist von diesem Typ. Dieser ist zwar lästig, aber eigentlich kann man damit fast alles machen, was man auch ohne Kopfschmerzen machen würde. Der Schmerz tritt meist beidseitig auf und wird von Patienten als dumpf-drückend beschrieben, als ob ein Ring um den Kopf gespannt ist. Er kann zwischen 30 Minuten und mehreren Stunden andauern. Circa 15 bis 20 Prozent der Deutschen leiden unter Migräne – ein meist einseitig hämmernder Kopfschmerz, der Betroffene zur Bettruhe zwingt. Zudem ist ihnen oft übel, sie müssen sich übergeben, sind licht-, lärm- und mitunter auch geruchsempfindlich. Die Attacken dauern mehrere Stunden, selten auch bis zu drei Tage. Der vergleichsweise seltene, überwiegend bei Männern auftretende Clusterkopfschmerz wird als besonders belastend empfunden. Es ist ein einseitiger Schmerz im Augenbereich, von dem Betroffene sagen, er fühle sich an, als ob ein Messer durch ein Auge in den Kopf gestochen werde. Die Attacken können zwischen 15 Minuten und drei Stunden dauern und mehrfach am Tag, aber auch nachts auftreten. Begleitend hängt oft ein Augenlid herab, die Nase läuft oder ist verstopft, oder das Auge tränt. Behandelt werden die Betroffenen mit Triptanen - entweder als Nasenspray oder als Injektion – oder mit Sauerstoff , den sie über eine Maske inhalieren. Andere Medikamente können auch vorbeugend verabreicht werden. Insgesamt gibt es mehr als 100 idiopathische Kopfschmerzsyndrome – das sind Kopfschmerzen, deren Ursache man nicht kennt. Potentiell gefährliche Kopfschmerzen treten z. B. nach Kopfverletzungen auf und können Blutungen zwischen dem Gehirn und dem Schädelknochen anzeigen, die operativ behandelt werden müssen. Als akuter Notfall ist die spontane, also nicht durch Gewalteinwirkung entstehende, Hirnblutungen aufzufassen, die in der Regel zu schlagartigen Kopfschmerzen führt (Donnerschlagkopfschmerz). Auch die Hirnhautentzündung verursacht Kopfschmerzen, dann aber in der Regel zusammen mit Fieber und Nackensteifigkeit. Kopfschmerzen können auch bei Thrombosen von Hirnvenen, Entzündungen von Arterien am Kopf, bei Hirntumoren, bei vermindertem Abfluss des Hirnwassers (Liquor) und vielen snderen körperlich begründbaren Erkrankungen auftreten. Diese Erkrankungen sind aber zum Glück selten.

Ursachen und Auslöser

Die genaue Ursache der häufigsten Kopfschmerzformen – Migräne und Spannungskopfschmerz – konnte bisher nicht geklärt werden. Es gibt jedoch Auslöser. Bei der Migräne sind es z.B. plötzlicher Stress, Veränderungen des Tagesrhythmus, starke Emotionen, hormonelle Veränderungen, das Auslassen von Mahlzeiten, Überanstrengung und Erschöpfung. Migräne und Spannungskopfschmerz gehören zu den Kopfschmerzen-Arten, die unangenehm, aber nicht gefährlich sind. Gleiches gilt für den Kopfschmerz nach Alkoholgenuss („Kater“) oder den Kopfschmerz, der entstehen kann, wenn man nach regelmäßigem Kaffeegenuss plötzlich aufhört, Kaffee zu trinken. Auch manche Medikamente können Kopfschmerzen auslösen. Wer regelmäßig Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen nimmt, kann schließlich durch diese Medikamente selbst Kopfschmerzen bekommen – den sog. Schmerzmittelkopfschmerz. Viel seltener als Migräne und Spannungskopfschmerz sind gefährliche Kopfschmerzen, die eine greifbare Ursache haben und zwingend behandelt werden müssen. Hierzu gehören beispielsweise Kopfschmerzen, die bei Hirnblutungen auftreten. Diese kommen nicht selten plötzlich, erreichen innerhalb weniger Sekunden ein extremes Ausmaß („Donnerschlagkopfschmerz“) und gehen oft auch mit anderen Symptomen wie Halbseitenlähmung, Sprachstörung oder Bewusstseinsstörung (Koma) einher. Im Falle derartiger Kopfschmerzen muss sofort der Rettungsdienst über den Notruf 112 alarmiert werden. Auch bei anhaltenden Kopfschmerzen nach einem Sturz oder Schlag auf den Kopf sollte ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Auch hier können sich Blutungen innerhalb des Schädels entwickeln, die lebensbedrohlich sein können. Prinzipiell gilt, dass jeder Kopfschmerz, der ungewohnt ist und nicht nach wenigen Tagen verschwindet, mit dem Hausarzt besprochen werden sollte, damit dieser dann entscheidet, ob weitere Maßnahmen erforderlich sind.


Was tun, wenn der Kopf schmerzt?

Mögliche Therapien und Präventionsmaßnahmen

Wenn leichte Kopfschmerzen ohne Begleitsymptome nur selten auftreten, ist in der Regel keine spezielle Diagnostik notwendig. Bei regelmäßigen oder starke Kopfschmerzen, die vielleicht sogar eine ansteigende Attackenfrequenz aufweisen, sollte man unbedingt den Hausarzt informieren. Dieser entscheidet dann, ob Blutuntersuchungen und/oder ein Bild vom Kopf – in der Regel über das Verfahren der Magnetresonanztomographie (MRT) – erforderlich sind oder eine Vorstellung beim Neurologen sinnvoll wäre. Auch kann es notwendig sein, Augenarzt oder Zahnarzt aufzusuchen, um auszuschließen, dass die Kopfschmerzen mit den Augen oder Zähnen zu tun haben. Im Falle eines Donnerschlafkopfschmerzes, also eines Kopfschmerzes, der plötzlich auftritt und extrem stark ausgeprägt ist, muss unmittelbar ein Bild vom Kopf angefertigt werden – zumeist eine Computertomographie (CT). Im Falle eines solchen Kopfschmerzes sollte sofort der Rettungsdienst über den Notruf 112 alarmiert werden.

Therapiemöglichkeiten

Für den „gewöhnlichen“ Kopfschmerz (Spannungskopfschmerz) sind in der Regel keine Medikamente notwendig. In Ausnahmefällen, wenn der Schmerz übermäßig störend ist, darf ein Kopfschmerzmittel eingenommen werden, z.B. Paracetamol, Ibuprofen oder auch ein Kombinationspräparat, in dem mehr als ein Wirkstoff enthalten ist, z.B. auch Koffein. Die im Beipackzettel vermerkte Höchstdosis pro Tag muss unbedingt eingehalten werden. Patienten, die noch andere Medikamente nehmen oder an andere Erkrankungen leiden, müssen mit dem Hausarzt besprechen, welches Medikament gegen Kopfschmerzen für sie geeignet ist. Die genannten Medikamente können auch bei Migräneattacken erfolgreich sein, müssen aber frühzeitig in der Attacke eingenommen werden. Sollten diese Medikamente nicht erfolgreich sein, können auch spezifische Migränemedikamente (sog. Triptane) eingesetzt werden. Bis auf ein Präparat sind alle Triptane rezeptpflichtig. Manche Triptane können auch als Nasenspray oder als Injektion angewendet werden, was vor allem für die Patienten hilfreich ist, die im Rahmen ihrer Migräneattacken unter starker Übelkeit leiden. Patienten, die unter sehr häufigen Migräneattacken leiden, können eine vorbeugende tägliche Behandlung mit speziellen Medikamenten durchführen, welche die Kopfschmerzhäufigkeit reduzieren. Es wird demnächst vermutlich eine weitere Möglichkeit geben, die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren, nämlich mittels einer monatlichen Injektion eines neuartigen Medikamentes. Noch ist dieses Präparat aber nicht zugelassen und somit auch noch nicht verfügbar. Problematisch sind chronische Kopfschmerzen (Kopfschmerzen, die an mehr als 15 Tagen im Monat auftreten). Hier sind die Schmerzmittel-induzierten Kopfschmerzen, die chronische Migräne und der chronische Spannungskopfschmerz zu nennen. Diese Erkrankungen erfordern in der Regel eine fachärztliche Therapie, z.B. vom Neurologen oder Schmerztherapeuten. Manchmal ist eine stationäre Schmerztherapie hilfreich, die dann in der Regel als multimodale Schmerztherapie durchgeführt wird. Dabei wird der Schmerz von verschiedenen Seiten angegangen (Psychologie, Physikalische Therapie, Entspannungstherapie, Schmerzmittel etc.) mit dem Ziel, die Schmerzhäufigkeit nachhaltig zu reduzieren. Die gefährlichen Kopfschmerzursachen werden spezifisch behandelt – die Hirnblutung auf der Schlaganfallstation oder neurochirurgisch, die Blutungen in Folge von Verletzungen neurochirurgisch und die Hirnhautentzündung mittels Antibiotika.

Vorbeugung

Wer häufig unter Kopfschmerzen leidet, sollte dies zunächst mit dem Hausarzt besprechen. Wenn keine körperlichen Ursachen vorliegen, helfen oftmals auch nicht-medikamentöse Maßnahmen, um die Häufigkeit der Kopfschmerzattacken zu vermindern:

  • Auslöser vermeiden: Viele Patienten führen ein Schmerztagebuch, in dem sie ihre Migräneattacken verzeichnen inklusive Angaben zur Ernährung, möglichen Stresssituationen etc. So lassen sich mit der Zeit oft Rückschlüsse zu möglichen Schmerzauslösern ziehen, die es dann zukünftig zu vermeiden gilt.
  • drei- bis fünfmal pro Woche 30 Minuten Ausdauersport
  • Vermeiden eines häufigen Schmerzmittelgebrauchs
  • Erlernen und Anwenden von Stressbewältigungs- und Entspannungstechniken (z.B. autogenes Training, progressive Muskelrelaxation
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